Rückblick Kursleiterfortbildung 2026
Vom 21. bis 23. September 2026 trafen sich 47 Kursleiter der Bildungszentren des Handwerks aus ganz Deutschland – von Kiel bis München, von Aachen bis Frankfurt (Oder) – in der Handwerkskammer Aachen, um sich über Neuigkeiten rund um nichtrostende Stähle zu informieren und auszutauschen.
Die Teilnehmer unterrichten Auszubildende und Meisterschüler im Bereich der handwerklichen Metallverarbeitung sowohl in Theorie als auch in der Praxis. Jedes Jahr im September folgen sie der Einladung der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei (ISER), um sich über Werkstofftrends bei nichtrostenden Stählen, neue Produkte und Bearbeitungsverfahren sowie aktuelle Erkenntnisse zum Thema Korrosion zu informieren. Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung ist dabei auch der persönliche Austausch unter den Kursleitern.
Begrüßt wurden die insgesamt 59 Teilnehmer und Referenten von Oliver Schneider, dem stellvertretenden Leiter des Bildungszentrums BGE Aachen und Hausherrn in der Handwerkskammer Aachen. Der große Konferenzsaal war bis auf den letzten Stuhl besetzt und verdeutlichte das große Interesse an der Veranstaltung.
Herr Dr.-Ing. Sebastian Heimann gab anschließend einen Überblick über Neuigkeiten und Informationen, die die ISER ihren Kompetenzzentren zur Verfügung stellt. Danach referierte Herr Dr.-Ing. Andreas Burkert von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) über einen Schadensfall, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat: den Einsturz der Carolabrücke in Dresden vor rund zwei Jahren. Die überraschenden Erkenntnisse aus der Untersuchung wurden erläutert und gemeinsam diskutiert.
Abgerundet wurde der erste Tag durch eine Altstadtführung durch Aachen und ein gemütliches Netzwerktreffen mit gemeinsamem Abendessen.
Der zweite Tag hatte es in sich: Ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm erwartete die Teilnehmer.
Philipp Küchler von der Schoeller Werk GmbH & Co. KG aus Hellenthal gab einen Überblick über die Herstellung, Verarbeitung und Anwendung von Edelstahlrohren. Dieses Thema stand bei den Teilnehmern bereits seit längerer Zeit auf der Wunschliste.
Die weiteste Anreise und das „heißeste Thema“ des Tages hatte Patrick Margraf von der Härterei Gerster AG aus Egerkingen in der Schweiz. Sein Vortrag „Wärmebehandlung nichtrostender Stähle“ zeigte die verschiedenen Verfahren und die Ergebnisse auf, die durch eine nachträgliche thermische Behandlung von Edelstahloberflächen erzielt werden können.
Über „Korrosionsbeständige Verbindungsmittel im Bauwesen“ referierten Maria Jakobi und Eldan Kahteran von der Firma TOBSTEEL GmbH aus Öhringen. Die aktuellen Werkstofftrends bei Schrauben, Muttern, Ankern und ähnlichen Verbindungsmitteln wurden anschaulich dargestellt und konnten anhand von mitgebrachten Mustern auch praktisch betrachtet und begutachtet werden.
Nach der Kaffeepause erläuterte Jens Lehmann Schlag von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung das Phänomen der „Bimetallkorrosion bei Mischkonstruktionen mit nichtrostendem Stahl“. Umgangssprachlich häufig als Kontaktkorrosion bezeichnet, kann sie bei der Kombination unterschiedlicher Werkstoffe zu Schäden führen. Herr Lehmann Schlag gab wichtige Hinweise, wie sich solche Korrosionserscheinungen vermeiden lassen.
„Rutschhemmende Oberflächen aus Edelstahl Rostfrei“ waren Thema des Vortrags von Max Deckers von der Schmidt Edelstahl GmbH aus Hückeswagen. Was ist bereits bei der Planung zu beachten? Welche Anforderungen gelten und welche Rutschhemmungsklassen gibt es? Diese und weitere Fragen wurden praxisnah erläutert.
Benoit van Hecke von Aperam Stainless Europe S.A. aus Genk in Belgien gab den Teilnehmern mit seinem Vortrag „DUPLEX: Praxisnah“ wichtige Hinweise für den Einsatz und die Verarbeitung dieser interessanten Werkstoffgruppe. Auch dieses Thema stand bei den Teilnehmern der vergangenen Jahre weit oben auf der Wunschliste.
Der Nachmittag war geprägt vom intensiven Austausch der Kursleiter untereinander und von der Diskussion technischer Fragestellungen in großer Runde. Jörg Bacher von der HWK Aachen erläuterte die Inhalte seines Kurses „Flammrichten von Chrom-Nickel-Stählen“. Anschließend gab Elmar Bauer, ebenfalls von der HWK Aachen, einen Überblick über den Kurs MET-KT1.

Einige Kursleiter folgten der Anregung und brachten praktische Werkstücke mit, die sie ihre Schülerinnen und Schüler fertigen lassen. Im Austausch mit den Kollegen entstanden neue Ideen für Werkstücke, die verschiedene Fertigkeiten wie beispielsweise Bohren, Schneiden und Schweißen miteinander verbinden und gleichzeitig einen sinnvollen späteren Einsatz ermöglichen.
Als letzter Programmpunkt des zweiten Tages gab es noch einen besonderen Abschied zu feiern. Herr Dr.-Ing. Andreas Burkert von der BAM war zum letzten Mal in seiner beruflichen Laufbahn bei dieser Veranstaltung dabei. Seine spannenden Vorträge, seine große Expertise und nicht zuletzt seine sympathische Art haben dieses Expertentreffen über viele Jahre hinweg geprägt und bereichert. Mit großem Dank und den besten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt wurde er von den Teilnehmern verabschiedet.

Am dritten Tag gewährten die Firmen Kerschgens Werkstoffe & Mehr sowie Carlier Blechbearbeitung & Mehr in Stolberg den Teilnehmern Einblicke in ihren Betrieb. Herr Felix Herford, geschäftsführender Gesellschafter, begrüßte die Gruppe und gab zunächst eine kurze Einführung in die beiden Unternehmen und deren Tätigkeitsbereiche.
Anschließend wurden kleinere Gruppen gebildet, die nacheinander durch die verschiedenen Bereiche der Betriebe geführt wurden. Dabei erhielten die Teilnehmer interessante Einblicke in die Abläufe, die Verarbeitung und die vielfältigen Produkte und Dienstleistungen der beiden Unternehmen. Kerschgens Werkstoffe & Mehr und Carlier Blechbearbeitung & Mehr präsentierten sich als moderne und vielseitig aufgestellte Unternehmen.
Mit der Betriebsbesichtigung endete das diesjährige Seminar der Kursleiter der Bildungszentren des Handwerks. Drei intensive Tage mit zahlreichen Fachvorträgen, praxisnahen Informationen, Betriebsbesichtigungen und vor allem einem lebhaften Austausch unter Kollegen gingen damit zu Ende. Die Teilnehmer traten anschließend ihre Rückreise in alle Teile Deutschlands an.
Dass das nächste Treffen bereits in Planung ist, zeigt, wie wichtig der regelmäßige fachliche Austausch für die Kursleiter ist. Für das kommende Jahr gibt es bereits erste Pläne: Die Veranstaltung soll vom 27.-29. 09.2027 nach Münster führen.


