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Für immer jung: 100 Jahre Edelstahl Rostfrei

Weltweite Erfolgsgeschichte mit garantierter Fortsetzung

Vexierbild oder Mittelalter trifft HighTech: Medienfassade aus Edelstahl-Drahtgewebe mit integrierten, frei bespielbaren LED-Elementen gegenüber vom Mailänder Dom. (Foto: GKD) printfähiges Foto Medienfassade  (3456 x 2304)

HighTech trifft Hochmittelalter: 480 m² Medienfassade aus
Edelstahl-Drahtgewebe mit integrierten, frei bespielbaren LED-
Elementen vor dem Mailänder Dom. (Foto: GKD)

Edelstahl Rostfrei ist heute unverzichtbarer Bestandteil nahezu aller Arbeits- und Lebensbereiche. Ob Industrie, Forschung, Medizin, Umwelt oder Architektur, der widerstandsfähige Hochleistungswerkstoff ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten Forscher auf der ganzen Welt an der Entwicklung von neuen, rostfreien und vor allem säurebeständigeren Stahlsorten für die chemische Industrie. Benno Strauß und Eduard Maurer, Mitarbeiter der Krupp-Forschungsanstalt in Essen, bewiesen Mut zum Querdenken, Ausdauer und Anwendernähe und entschieden das Rennen für Deutschland. Die damals bereits bekannten Nickel- und Chromstähle waren für die steigenden Anforderungen der chemischen Industrie zu korrosionsanfällig und spröde. Strauß und Maurer, die Väter des Edelstahls, senkten den Kohlenstoffanteil auf unter ein Prozent. Erstmals kombinierten sie Chrom und Nickel als Legierungsstoffe und entwickelten ein geeignetes Verfahren zur Wärmebehandlung, um Korrosionsverhalten und Festigkeit des Stahls zu verbessern. Somit begann der weltweite Siegeszug nichtrostender Stähle. 1912 wurde ihre Erfindung mit den sogenannten Pasel-Patenten geschützt. Rasant eroberte der Werkstoff immer neue Anwendungen. Abgeschlossen ist die Entwicklung seines Nutzenspektrums und damit der Erfolgskurs von Edelstahl Rostfrei auch nach 100 Jahren noch lange nicht.

Der neu entwickelte, hochlegierte Stahl war die Antwort auf den damals drängenden Bedarf an rost-, säure- und hitzebeständigen Werkstoffen für den chemischen Apparatebau. Erst durch die Kombination dieser Eigenschaften in einem Werkstoff, der auch in den weiteren Verarbeitungsschritten wie Schweißen und Umformen die hohen Anforderungen erfüllte, wurden viele Prozesse wirtschaftlich. Dabei gab es am Anfang nur wenige Stahlsorten und auch die meisten der inzwischen gängigen Verarbeitungsverfahren mussten erst noch erfunden werden. Heute stehen über 120 Edelstahl-Rostfrei-Sorten für die unterschiedlichsten Einsatzbedingungen und Anwendungen zur Verfügung. Die Fachwelt teilt sie nach den Gefügearten in ferritische, martensitische und austenitische Stähle ein. Ferritisch-austenitische Duplex-Stähle ergänzen das aktuelle Spektrum dieser Werkstoffe. Mit Abstand am meisten verbreitet sind auch 100 Jahre nach ihrer Entdeckung austenitische nichtrostende Stähle. Ausgang war der von Benno Strauß erfundene Chromnickelstahl V2A, abgekürzt für Versuchsschmelze 2 Austenit, dessen Bezeichnung noch heute für den weltweit am meisten hergestellten Werkstoff 1.4301 verwendet wird1. Seine Korrosionsresistenz gegenüber heißen Säuren machte ihn schon bald nach seiner Entdeckung für die chemische Verfahrenstechnik unentbehrlich. 1919 meldete Krupp Edelstahl auch für medizinische Einsatzzwecke zum Patent an. Durch Erhöhung des Legierungsanteils von Nickel von 8 auf 10 Prozent und Hinzulegieren von Molybdän entwickelte Benno Strauß den V4A-Stahl, der 1928 zum Patent angemeldet wurde. Er entspricht den heutigen Werkstoffnummern 1.4401, 1.4404 und 1.4571 für korrosiv und thermisch höhere Beanspruchungen, wie sie beispielsweise in der Offshore-Technik auftreten können.


Neue Produktionsverfahren für wachsende Nachfrage

Mit der Einführung des Stranggießverfahrens wurde in den 80er Jahren das endabmessungsnahe Gießen ermöglicht. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta) printfähiges Foto Stranggießen  (3543 x 2964)  .]

Mit der Einführung des Stranggießverfahrens wurde in den
80er Jahren das endabmessungsnahe Gießen ermöglicht.
(Foto: ThyssenKrupp Nirosta)

Der schnelle Markterfolg des Edelstahls in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts stellte die Entwicklung wirtschaftlicher Verfahren zu seiner Herstellung und Verarbeitung vor große Herausforderungen. So wurden die ersten nichtrostenden Stähle noch in ölgefeuerten, kippbaren Tiegeln hergestellt. Erst die Erfindung von Induktionsschmelzöfen vereinfachte das Verfahren. Anfang der 60er Jahre wurde die Schmelztechnik in ein zweistufiges Verfahren – wahlweise mit Vakuum (VOD) oder Argon (AOD) – geändert. Die neue Produktionstechnik senkte die Herstellungskosten und erweiterte zugleich das Eigenschaftsspektrum nachhaltig. In den 80er-Jahren wurden mit der Einführung des kontinuierlichen Stranggiessverfahrens die Voraussetzungen für ein endabmessungsnahes Gießen geschaffen – ein weiterer qualitativer und wirtschaftlicher Meilenstein. Rechnergestützte Regelungstechnik trieb die Reproduzierbarkeit der Edelstahlprodukte entscheidend weiter voran und die wachsende technologische Differenzierung erschloss immer neue Anwendungsgebiete.

Der rasante Erfolg von nichtrostenden Stählen lässt sich eindrucksvoll an den Produktionsmengen ablesen. Von 18.000 Kilogramm anno 1914 schnellte der Bedarf auf 56 Tonnen im Folgejahr. 1950 betrug die weltweite Produktionsmenge 1,0 Mio. Tonnen, 1987 bereits 8,2 Mio. Tonnen, 2005 gar 24,7 Mio. Tonnen. 2011 wurden insgesamt 33,8 Mio. Tonnen Edelstahl Rostfrei produziert. Die heutige Bedeutung des Werkstoffs zeigt sich auch im Internet: Allein die Suchmaschine Google verweist auf 320.000 Beiträge zum Begriff „nichtrostender Stahl“. Ob Industrie, Forschung, Maschinen- und Anlagenbau, Architektur und Bauwesen, Medizin, Umwelt oder Alltag – ohne nichtrostenden Stahl ist die Welt heute nicht mehr vorstellbar.


Chemische Industrie als Motor der Werkstoffentwicklung

Treibende Kraft bei der Erfindung von nichtrostendem Stahl war die chemische Industrie: Destillationskolonnen aus rost-, säure- und hitzebeständigem Edelstahl. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta) printfähiges Foto Destillationskolonnen (1500 x 1500)

Treibende Kraft bei der Erfindung von nichtrostendem Stahl
war die chemische Industrie: Destillationskolonnen aus rost-,
säure- und hitzebeständigem Edelstahl.
(Foto: ThyssenKrupp Nirosta)

Treibende Kraft bei der Erfindung von Edelstahl war die chemische Industrie, die gegenüber erhitzten Gasen und Dämpfen widerstandsfähige Werkstoffe für Anlagen und Komponenten suchte. Parallel zur Ausdifferenzierung der Legierungsvarianten wurden in den Folgejahren immer neue Verfahren und Produkte entwickelt. Zunehmend gewannen Schweißbarkeit und Umformbarkeit des neuen Werkstoffs an Bedeutung. Wachsende Anlagengrößen in der Chemieindustrie verlangten aus Blechen geschweißte Behälter und längsnahtgeschweißte Rohre, um die Apparate zu verbinden. In schneller Folge kamen Kessel, Kolonnen, Wärmetauscher, Zentrifugen, Transport- und Lagertanks, Armaturen oder Pumpen aus rost-, säure- und hitzebeständigem Edelstahl auf den Markt. Ob zur Herstellung und Verarbeitung von Säuren, Hydrierung von Kohle oder Teer, Destillation von Flüssigkeitsgemischen, zur Textilfaserproduktion, in der Petrochemie, bei der Mineralgewinnung, zur Fest-Flüssig-Trennung in Kläranlagen oder in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie: Das Anwendungsspektrum chemikalienresistenter und temperaturbeständiger nichtrostender Stähle ist heute nahezu grenzenlos. Einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit leistet Edelstahl in Tankschiffen mit mehrschaligen Tanks zum Transport von Chemikalien, tiefgekühlten Gasen oder Lebensmitteln. Bei der Erdölförderung kommen für Rohrleitungen auch vermehrt ferritisch-austenitische Duplex-Stähle zum Einsatz. Diese bereits 1933 entdeckten Edelstähle sind deutlich fester als andere nichtrostende Stähle. Sie widerstehen den mechanischen Belastungen durch Wellen, Strömungen und Außendruck in bis zu 3.000 Meter Meerestiefe ebenso wie chemischen Angriffen im Rohrinneren durch das geförderte Öl oder Erdgas und Salzwasser an der Außenwand der Rohre. Ihre höhere Grundfestigkeit ermöglicht zudem dünnere Wandstärken im Vergleich zu klassischen austenitischen nichtrostenden Stählen. Ende der 80er-Jahre wurde mit Lean-Duplex eine Alternative zum etablierten Duplex-Stahl und austenitischen nichtrostenden Stählen entwickelt. Dank seines geringeren Nickelgehaltes gewann der Werkstoff 1.4362 Anfang des 21. Jahrhunderts angesichts volatiler Nickelpreise stark an Bedeutung. Verglichen mit herkömmlichen Wärmetauschern aus Edelstahlrohren können Plattenwärmetauscher aus Lean-Duplex-Blechen – bei gleicher Leistung – Größe, Gewicht und Kosten erheblich senken. Außer in chemischen Umgebungen wird Lean Duplex auch im Bauwesen zunehmend verarbeitet.


Sicherheit für Trinkwassersysteme und Wasserwirtschaft

Rohre aus Edelstahl Rostfrei in einer Kläranlage (Foto: UGITECH) printfähiges Foto Kläranlage.jpg  (2362 x 1772)  

Rohre aus Edelstahl Rostfrei in Kläranlagen sorgen für eine
sichere Trinkwasseraufbereitung. (Foto: UGITECH)

Seit 1985 wird in Japan ferritischer Edelstahl in Trinkwassersystemen verwendet. Auch in der übrigen Welt setzen sich durchgängige Systeme aus ferritischem und austenitischem  nichtrostendenden Stahl im Wettbewerb gegen Rohre, Fittings, Übergangsstücke oder Abzweigungen aus Eisen und verzinktem Stahl, Kupfer oder Kunststoff zunehmend durch. Sie verhindern Lochfraß, korrodierende Leitungen als Nährboden für Bakterien, gelöste Schwermetalle und Metallionen im Trinkwasser, die das Wasser kontaminieren. Zur Gewinnung, Verteilung, und Entsorgung verlässt sich deshalb auch die Wasserwirtschaft auf nichtrostenden Stahl, da er trotz der gegebenen wechselnden Korrosionsbelastungen einen absolut störungsfreien Betrieb sichert. Dies gilt insbesondere für die Meerwasserentsalzung die vor dem Hintergrund immer knapper werdender Trinkwasserressourcen zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. In der Industrie reduzieren Wasserrohre aus Edelstahl Leckagen und dadurch ausgelöste Betriebsstörungen auf ein Minimum.


Zeitlose Ästhetik, nachhaltige Technik im Bauwesen

Schon wenige Jahre nach seiner Erfindung hat Edelstahl Rostfrei als Baustoff die Phantasie von Architekten und Planern beflügelt. Die jeweils höchsten Gebäude der zurückliegenden 100 Jahre erhielten durch Edelstahl ihre unverwechselbare Note: Den Anfang machte 1929 das Chrysler Building in New York, dessen Haube bis heute 4.500 großformatige Schindeln aus nichtrostendem Stahl zieren. Auch die Petronas Towers in Kuala Lumpur, das Atomium in Brüssel, der Burj Khalifa in Dubai oder das neue Wahrzeichen von New York, das One World Trade Center, unterstreichen mit korrosionsbeständigem Stahl ihre unvergängliche Bedeutung. 1976 wurde das stark korrodierte Metallskelett der amerikanischen Freiheitsstatue durch nichtrostenden Stahl ersetzt. In der Bibliothèque Nationale de France in Paris nahm 1992 die Erfolgsgeschichte von Edelstahlgewebe ihren Anfang. Heute ist der Werkstoff in der Architektur omnipräsent. Seine faszinierende Optik und unerreichte Funktionalität inspirieren zu immer neuen Anwendungen im Innen- und Außenbereich.

Edelstahl Rostfrei ist als Baustoff gefragt - hier für das Atomium in Brüssel, das dank der glänzenden Oberfläche dauerhaft und weithin sichtbar strahlt. (Foto: Martina Helzel) printfähiges Foto Atomium  (1574 x 1181)

Edelstahl Rostfrei ist als Baustoff gefragt - hier für das Atomium
in Brüssel, das dank der glänzenden Oberfläche dauerhaft und
weithin sichtbar strahlt. (Foto: Martina Helzel)

Rostfrei, pflege- und wartungsarm, witterungsbeständig und im höchsten Maße – auch im Verbund mit anderen Baumaterialien – belastbar, macht sich Edelstahl Rostfrei durch lange Lebensdauer und minimale Unterhaltungskosten nachhaltig bezahlt. Ob als Tragwerk, korrosionssichere Beton- und Mauerwerksbewehrung, schützende Fassade, konventionelle Dachabdeckung oder Gründach, Blitzschutz, Decke oder Fußboden, im Schwimmbadbau, für die Altbausanierung, für Aufzüge, Rolltreppen, Türen oder Tore, Brüstungen oder als multifunktionale, zunehmend sogar medialisierte Hüllen für Parkhäuser, Hotels, Stadien, Bahnhöfe oder Flughäfen: Nichtrostende Stähle decken das gesamte Spektrum der Architektur ab. Die dabei eingesetzten Produkte sind ebenso vielfältig wie die Anwendungen und Ausführungen. Bleche, Gitter, Tafeln, Gewebe, Geflechte, Hohlprofile, Stäbe, Seile, Schrauben, Klemmen oder Punkthalter, naturbelassen, matt, geprägt, gebürstet, farbig, mit innovativen Oberflächenbeschichtungen gegen Graffiti, Fingerabdrücke, mit Lotuseffekt oder mit integrierten LEDs – Edelstahl Rostfrei macht’s möglich. In der Architektur ist Edelstahl Rostfrei Synonym für kreative Ausdrucksform und Nachhaltigkeit. Im Wettbewerb mit Verbundmaterialien punkten nichtrostende Stähle vor allem auch durch ihre vollständige Recyclebarkeit ohne Qualitätseinbuße. In der aktuellen Klimaschutz- und Energiespardebatte gibt die Ökobilanz des Werkstoffs seinem vermehrten Einsatz zusätzlichen Auftrieb.


Robustes Multitalent für Automobil- und Eisenbahnbau

Schon früh erkannte auch die Automobilindustrie das Potenzial von Edelstahl Rostfrei. 1936 produzierte Ford in Detroit Prototypen von sechs Edelstahlkarosserien. Seit den 50er-Jahren werden Auspuffteile aus nichtrostendem Stahl gefertigt. In den späten 60ern baute Porsche seinen legendären 911er in einer Variante aus korrosionsbeständigem Stahl, die heute im Deutschen Museum in München zu sehen ist. Aktuell werden hochwertige Auspuffanlagen vollständig aus Chromnickelstahl gebaut. In Systemen zur Kraftstoffeinspritzung, Rußpartikelfiltration oder Abgasbehandlung ist der Hochleistungswerkstoff schon lange unverzichtbar: Den dort herrschenden extremen Betriebsbedingungen – Temperaturen bis 700 °C, Drücke bis 3 bar, aggressive Medien und mechanische Schwingungen – hält er wie kein anderer Werkstoff dauerhaft Stand. Die ganzheitliche Betrachtung von Materialerzeugung, Bauteilfertigung, Lebenszeit und Recycling macht Edelstahl Rostfrei im Fahrzeugbau zum unermüdlichen Treiber neuer Entwicklungen. Auf Grund seiner hohen Dehnungswerte und Festigkeiten findet er zunehmend Einsatz als Verstärkung für A- und B-Säulen, Überrollbügel, Schutz- und Rahmenkomponenten. Die dünnen und damit leichten Bauteile senken Werkstoffkosten, Fahrzeuggewicht und Kraftstoffverbrauch.

Festigkeit bei geringer Materialstärke machten Edelstahl Rostfrei zum Werkstoff der Wahl im Automobil- und Eisenbahnbau. (Foto: Outokumpu) Printfähiges Foto: High Tech Zug.jpg  (4896 x 3042)  

Festigkeit bei geringer Materialstärke machten Edelstahl
Rostfrei zum Werkstoff der Wahl im Automobil- und
Eisenbahnbau. (Foto: Outokumpu)

Mit diesem effizienten Eigenschaftsprofil ist Edelstahl Rostfrei auch bei Schienenfahrzeugen weltweit am Zug. 1934 baute Edward G. Budd, Philadelphia, den berühmten, nur 104 Tonnen schweren Burlington Zephyr mit Diesellokomotive und drei Wagen. Für den Korpus des innovativen Zugs setzte er 23 Tonnen kaltgewalzten nichtrostenden Stahl ein. Damit war dieser für 72 Passagiere ausgelegte Zug ein echtes Leichtgewicht und doppelt so schnell wie herkömmliche Züge, die mit Dampflokomotiven angetrieben wurden. Er wurde zur Technikikone, die heute zur Dauerausstellung im Industrie- und Wissenschaftsmuseum von Chicago gehört. In den 50er Jahren setzten Turbinenschaufeln aus hochlegierten Stählen in den ersten mit Gasturbinen angetriebenen Lokomotiven neue Maßstäbe. Für Schienenfahrzeuge der neuesten Generation ist der Gedanke innovativer Leichtbaukonzepte aktueller denn je: Festigkeit bei geringer Materialdicke, Crash- und Feuerbeständigkeit machen Edelstahl Rostfrei heute zum führenden Werkstoff für alle Arten anspruchsvoller und zugleich wirtschaftlicher Wagenkastenkonstruktionen. Denn durch die hochwertige Optik des nichtrostenden Stahls kann vielfach auf eine Außenlackierung verzichtet werden, wodurch auch die bisher üblichen regelmäßigen Neulackierungen entfallen. Eine nachgewalzte Oberfläche schützt die Wagen vor Graffiti und macht sie insgesamt unempfindlicher gegenüber Vandalismus.

 
Höhenflug in Luft- und Raumfahrt

Futuristische Dachkonstruktion aus farbigem Edelstahl am Spaceport America, dem ersten Flughafen für Weltraum- touristik. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta) printfähiges Foto Spaceport  (1500 x 1125)  ...]

Futuristische Dachkonstruktion aus farbigem Edelstahl am
Spaceport America, dem ersten Flughafen für Weltraum-
touristik. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta)

Der legendäre amerikanische Konstrukteur Edward G. Budd war es auch, der Edelstahl Rostfrei im Flugzeugbau einsetzte. Nachdem er zunächst Felgen aus Edelstahl entwickelt hatte, stellte er 1931 mit der BB-1 Pioneer das erste komplette Flugzeug aus rostresistentem Edelstahl vor. 1943 setzte die vollständig aus punktverschweißtem Edelstahlblech gefertigte Transportmaschine RB1-Conestoga den materialtechnischen Höhenflug in der Luftfahrt fort. Auch die Quer- und Seitenruder sowie Triebwerkteile des Überschallflugzeugs Concorde, das 1969 zu seinem Jungfernflug startete, wurden aus Edelstahl Rostfrei gebaut. Im gleichen Jahr landete nichtrostender Stahl an Bord der Apollo 11 mit den ersten Menschen auf dem Mond. Bis heute ist der Hochleistungswerkstoff in zahlreichen Bereichen der Raumfahrttechnologie vertreten. Dabei setzt man auch auf seine außergewöhnliche Optik: Bei dem weltweit ersten Flughafen für Weltraumtouristen, dem Spaceport America in New Mexico, macht eine futuristische Dachkonstruktion aus farbigem Edelstahl den Traum von der Reise ins All greifbar. Voraussichtlich ab 2014 werden hier die ersten Hobbyastronauten zu einer einstündigen Reise in den Orbit starten.


Früher Stapellauf im Schiffbau

Luxuriöse Anmutung und wartungsarme Funktionalität machen nichtrostende Stähle im Schiffbau unentbehrlich. (Foto: Niro Petersen)

Luxuriöse Anmutung und wartungsarme Funktionalität machen
nichtrostende Stähle im Schiffbau unentbehrlich.
(Foto: Niro Petersen)

Fast 80 Jahre früher war Edelstahl Rostfrei mit einem anderen Passagierschiff Pionier zu Wasser: 1936 lief die für knapp 2.300 Reisende konzipierte RMS Queen Mary in Southampton zu ihrer Jungfernfahrt aus. Die Konstruktion und Einrichtung des Luxusliners wurde durch Edelstahl Rostfrei in vielfältigen Bereichen geprägt: Ob Kücheneinrichtung oder Schwimmbecken, Innenverkleidungen oder Turbinenschaufeln – der auch im aggressiven Meeresklima dauerhaft korrosionsbeständige, zugleich aber auch höchst dekorative Werkstoff setzte ganzheitlich Maßstäbe. Bis heute zählen nichtrostende Stähle zur unverzichtbaren Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen, Yachten und Fähren. Beschläge, Handläufe, Möbel oder komplette Rohrleitungssysteme für Trinkwasser und Entsorgung, Pumpen oder Armaturen – die luxuriöse Anmutung und wartungsarme Funktionalität machen Edelstahl im Schiffbau unentbehrlich.


Keimfreiheit für Medizin, Getränke- und Nahrungsmittelindustrie

[Dank seiner robusten Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen und Chemikalien ist Edelstahl Rostfrei ein gefragter Werkstoff in der Medizintechnik (Foto: Informationsstelle Edelstahl Rostfrei) printfähiges Fotos Medizintechnik  (1440 x 946)  

Dank seiner robusten Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen
Temperaturen und Chemikalien, wie sie z.B. bei der Desinfektion
eingesetzt werden, ist Edelstahl Rostfrei ein unverzichtbarer
Werkstoff in der Medizintechnik.
(Foto: Fritz Dressler/ThyssenKrupp Nirosta)

Bereits kurz nach der Entdeckung nichtrostender Stähle wurde Anfang der 20er-Jahre zunehmend ihre Bedeutung auch für medizinische Geräte, Werkzeuge und Räumlichkeiten erkannt. Ausschlaggebend war auch hier seine Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen und aggressiven Chemikalien, die selbst häufiger Sterilisierung und Desinfektion problemlos standhält. Trotz mechanischer, thermischer oder chemischer Dauerbeanspruchung wird die glatte und harte Werkstoffoberfläche weder rau noch rissig, so dass sich auch bei intensivem Gebrauch keine Bakterien und Pilze ansiedeln. 1926 wurden die ersten Implantate aus Edelstahl entwickelt. Auch heute entsprechen künstliche Kniegelenke aus nichtrostendem Stahl dem aktuellen Stand der Forschung.

Die strengen Hygienevorschriften für chirurgische Instrumente und OP-Ausstattungen gelten analog in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Auch hier gewährleistet die spezifische Oberflächenbeschaffenheit des Werkstoffs eine problemlose, keimfreie Reinigung und verhindert zuverlässig, dass ein Nährboden für Mikroorganismen entsteht. In der Milch- und fleischverarbeitenden Industrie prädestiniert die gute Verformbarkeit und fugenlose Verarbeitung den Werkstoff für hygienegerechten Anlagenbau und wirtschaftliche Produktionsabläufe. Großküchen, Molkereibetriebe, Brauereien, Winzer und Safthersteller setzen schon seit Jahrzehnten auf nichtrostenden Stahl. Seiner außergewöhnlichen chemikalischen und thermischen Stabilität – selbst bei extremen Temperaturwechseln, wie sie für die Entkeimung von Milch oder Pasteurisieren von Fruchtsäften erforderlich sind – verdankt Edelstahl Rostfrei den umfangreichen Einsatz für Herstellung, Lagerung und Transport säurehaltiger Produkte. Da er zudem absolut inert und somit geschmacksneutral ist, beeinträchtigt er weder Geschmack noch Aussehen der Erzeugnisse.


Werkstoff für neues Lebensgefühl

Heute gefragt in State-of-the-Art-Küchen - nichtrostende Stähle fanden aber schon vor Jahrzehnten den Weg in private Haus- halte. (Foto: Stadler Edelstahl) printfähiges Foto Haushalt  (1246 x 1417)

Heute ist Edelstahl Rostfrei mehr denn je gefragt, z.B. in
State-of-the-Art-Küchen; nichtrostende Stähle fanden aber
schon vor Jahrzehnten den Weg in private Haushalte.
(Foto: Stadler Edelstahl)

Das faszinierende Eigenschaftsspektrum und die aufmerksamkeitsstarke Präsenz in Architektur und Technik ebnete nichtrostenden Stählen schon früh den Weg in die privaten Haushalte: 1921 erschien das erste rostfreie Besteck, immer mehr Gegenstände des täglichen Bedarfs folgten. In den 50ern entwarf der Pionier des Industriedesigns, Wilhelm Wagenfeld, eine Vielzahl legendärer Gebrauchsgüter aus Edelstahl Rostfrei. Die organische Form seiner industriell hergestellten Bestecke, Schalen, Eierbecher, Pfeffer- und Salzstreuer, Butterdosen und Vasen verschaffte ihm ebenso wie dem modern anmutenden Werkstoff weltweite Anerkennung. Prägenden Einfluss hatten auch die puristischen Entwürfe skandinavischer Designer, die dem unprätentiösen Charakter nichtrostender Stähle kongenial entsprachen. 1956 revolutionierten die ersten Rasierklingen aus Edelstahl von Wilkinson Sword die Bartpflege. 1958 begann der Siegeszug der Waschmaschine mit Trommeln aus nichtrostendem Stahl. Zur selben Zeit wurden Spülen aus dem pflegeleichten, dauerhaft blanken Werkstoff zum Inbegriff moderner Küchenausstattung. Unaufhaltsam eroberte Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel fortan seine führende Rolle als Werkstoff für Kochgeschirr, Kücheneinrichtungen, Armaturen, Sanitärobjekte, Heizungen, Haushaltsgeräte und Accessoires für Küche und Bad. Seine zeitlose Ästhetik, pflegeleichte Beständigkeit und Funktionalität machen ihn zum Klassiker modernen Lebensgefühls.


Höchstleistung für Hightech-Industrien

In der Energiewirtschaft, Reinraumtechnik, Umwelttechnologie oder Telekommunikation und Elektronik setzt die Beständigkeit von Edelstahl Rostfrei gegenüber unterschiedlichsten Korrosionsbeanspruchungen regelmäßig neue Standards. Ob im Kraftwerk- oder Windradbau, in Wärmetauschern oder Rauchgasfiltern, für Sonnenkollektoren oder Biogasanlagen – der Hightech-Werkstoff wird durch individuelle Legierungen auf die permanent steigenden Anforderungen exakt eingestellt. In der Telekommunikation kommen hauchdünne Edelstahlfolien und Präzisionsbänder zum Einsatz, die mit Nickel und Gold im Nanometerbereich beschichtet werden. Bis zu 10 Millionen Schaltungen müssen die daraus gestanzten Schnappscheiben zuverlässig leisten.


Jungbrunnen für Ideen von morgen

Seit 100 Jahren bietet Edelstahl Rostfrei für ein nahezu grenzenloses Leistungsspektrum intelligenten Mehrwert. Multifunktional, wartungsarm und hochbelastbar erschließt er permanent neue Anwendungen. Zeitlos zeitgemäß trägt er steigenden Anforderungen weltweiter Ingenieurkunst Rechnung. Steigende Erwartungen an Umweltverträglichkeit, Werterhalt und Wirtschaftlichkeit machen Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel in immer neuen Ausprägungen zur universell gefragten Lösung und verhelfen ihm zu ewiger Jugend.

Erfolgsstory der nichtrostenden Stähle in bewegten Bildern:

Der Einsatz von AOD-Konvertern senkte in den 60er Jahren Herstellungskosten und erweiterte das Eigenschaftsspektrum nachhaltig. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta ) printfähiges Foto AOD-Konverter (2362 x 2362)

Der Einsatz von AOD-Konvertern senkte in den 60er Jahren
Herstellungskosten und erweiterte das Eigenschaftsspektrum
nachhaltig. (Foto: ThyssenKrupp Nirosta)

Video "100 Jahre Edelstahl Rostfrei".wmv (63,92 MB) 
Video "100 Jahre Edelstahl Rostfrei".mov (55,58 MB)
Video "100 Jahre Edelstahl Rostfrei".f4v (45,31 MB)
(Quelle: ISSF International Stainless Steel Forum)

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