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Chemische Industrie als Motor der Werkstoffentwicklung

Treibende Kraft bei der Erfindung von Edelstahl war die chemische Industrie, die gegenüber erhitzten Gasen und Dämpfen widerstandsfähige Werkstoffe für Anlagen und Komponenten suchte. Parallel zur Ausdifferenzierung der Legierungsvarianten wurden in den Folgejahren immer neue Verfahren und Produkte entwickelt. Zunehmend gewannen Schweißbarkeit und Umformbarkeit des neuen Werkstoffs an Bedeutung. Wachsende Anlagengrößen in der Chemieindustrie verlangten aus Blechen geschweißte Behälter und längsnahtgeschweißte Rohre, um die Apparate zu verbinden. In schneller Folge kamen Kessel, Kolonnen, Wärmetauscher, Zentrifugen, Transport- und Lagertanks, Armaturen oder Pumpen aus rost-, säure- und hitzebeständigem Edelstahl auf den Markt. Ob zur Herstellung und Verarbeitung von Säuren, Hydrierung von Kohle oder Teer, Destillation von Flüssigkeitsgemischen, zur Textilfaserproduktion, in der Petrochemie, bei der Mineralgewinnung, zur Fest-Flüssig-Trennung in Kläranlagen oder in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie: Das Anwendungsspektrum chemikalienresistenter und temperaturbeständiger nichtrostender Stähle ist heute nahezu grenzenlos. Einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit leistet Edelstahl in Tankschiffen mit mehrschaligen Tanks zum Transport von Chemikalien, tiefgekühlten Gasen oder Lebensmitteln. Bei der Erdölförderung kommen für Rohrleitungen auch vermehrt ferritisch-austenitische Duplex-Stähle zum Einsatz. Diese bereits 1933 entdeckten Edelstähle sind deutlich fester als andere nichtrostende Stähle. Sie widerstehen den mechanischen Belastungen durch Wellen, Strömungen und Außendruck in bis zu 3.000 Meter Meerestiefe ebenso wie chemischen Angriffen im Rohrinneren durch das geförderte Öl oder Erdgas und Salzwasser an der Außenwand der Rohre. Ihre höhere Grundfestigkeit ermöglicht zudem dünnere Wandstärken im Vergleich zu klassischen austenitischen nichtrostenden Stählen. Ende der 80er-Jahre wurde mit Lean-Duplex eine Alternative zum etablierten Duplex-Stahl und austenitischen nichtrostenden Stählen entwickelt. Dank seines geringeren Nickelgehaltes gewann der Werkstoff 1.4362 Anfang des 21. Jahrhunderts angesichts volatiler Nickelpreise stark an Bedeutung. Verglichen mit herkömmlichen Wärmetauschern aus Edelstahlrohren können Plattenwärmetauscher aus Lean-Duplex-Blechen – bei gleicher Leistung – Größe, Gewicht und Kosten um über 50 Prozent senken. Außer in chemischen Umgebungen wird Lean Duplex auch im Bauwesen zunehmend verarbeitet.